Eine sichere Bank

Soll ich oder soll ich nicht?, fragt er sich. Verunsichert blickt er in den Spiegel.

Wenn er sich doch nur sicher sein könnte. Das berühmte Jein, da ist es also wieder! Er wäre so viel einfacher, wenn er nur die Folgen abschätzen könnte. Obwohl – in Gedanken hat er ja alle Möglichkeiten schon durchgespielt, nur um jedes Mal erneut festzustellen, dass er jede davon gleich wünschenswert wie angsteinflössend findet. Er fixiert sein Spiegelbild. In seinen Augen kann er das Zögern erkennen und schämt sich dafür. Doch er weiss ganz genau, dass eine Entscheidung etwas in Gang setzen würde, das sich nicht mehr aufhalten liesse.

Er fühlt sich feige und mag sich nicht mehr sehen. Es ist einfach so schwer für ihn, sich aufs Glatteis zu wagen. Was er nämlich trotz aller Überlegungen nicht abschätzen kann, sind die Gefühle, die diese Folgeereignisse bei ihm auslösen würden. Und was würde er denn machen, wenn er danach merken würde, dass er die falsche Entscheidung getroffen hat? Dann wäre es zu spät. Dann könnte er nicht einfach sagen: Stopp! Ich will das nun doch nicht, ich hätte lieber die andere Entscheidung getroffen, jetzt, wo ich weiss, wie sich diese Entscheidung anfühlt.

Und so entscheidet er sich wieder einmal für das Jein. Für das Zaudern. Zögern. Abwarten. Er weiss zwar, dass auch diese Entscheidung Folgen hat – ja, auch solche, die er nicht abschätzen kann – aber er bleibt immerhin gefühlsmässig auf bekanntem Boden. Immerhin weiss er, womit er zu rechnen hat. Und mittlerweile weiss er auch, dass er irgendwann wieder in den Spiegel blicken kann.

Ja, so ein Jein, das ist schon eine sichere Bank. Oder etwa nicht?

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4 Kommentare zu “Eine sichere Bank

  1. Wie lange darf Einer zaudern, zögern, abwarten?

    • Jeanette sagt:

      Was heisst dürfen… Jede/r kann (darf) die Entscheidungen treffen, die sie/er will – natürlich auch die Entscheidung zu zögern und abzuwarten. Wie bei jeder anderen Entscheidung muss man einfach mit den Konsequenzen leben. Solange man sich damit wohl (oder wohler) fühlt, ist das ok. Sobald man sich damit aber unwohl fühlt, wäre es wohl Zeit etwas daran zu ändern – das sollte man dann aber auch nicht müssen, sondern wollen! Insofern: Man darf, solange man will 🙂

      • OK, Zaudern, Zögern, Abwarten in dem Sinne, dass die Zeit für eine Entscheidung einfach noch nicht reif ist. | Was aber, wenn von seiner Entscheidung andere „abhängig“ sind? Dann sollte es einen Punkt geben, an dem ein klares Ja oder Nein erfolgt!?

      • Jeanette sagt:

        Naja, ich sehe das auch da anders – sofern es sich um erwachsene Personen handelt. Wenn also jemand auf eine Entscheidung wartet und einfach nie eine getroffen wird, dann finde ich nicht, dass man die andere Person dazu zwingen darf. Was man hingegen sollte: Selbst eine eigene Entscheidung treffen, wie man mit der Nicht-Entscheidung umgehen will und das dann auch konsequent durchziehen. Möglich, dass der/die andere dadurch indirekt zu einer Entscheidung gedrängt wird – aber nicht, weil man ihn/sie dazu zwingt, sondern weil die Konsequenzen seiner Nicht-Handlung möglicherweise unangenehmer werden als die Folgen der Entscheidung es wären. Falls das aber trotzdem nicht genug Druck ist, dann eben nicht.

        Aber ich gebe zu, wenn die anderen z.B. Kinder sind und WIRKLICH abhängig von einer Entscheidung, dann sieht das Ganze anders aus.

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